Donnerstag, 23. November 2017

STILLEN IST LIEBE


Erinnert ihr euch noch an meinen Beitrag über Erwartungen in der Schwangerschaft? Eine dieser Erwartungen, nein, eigentlich eine Selbstverständlichkeit, war für mich auch, dass ich meine Tochter stillen wollte. Ich hatte schon bei Motti den Luxus genossen, immer und überall wohltemperierte Milch dabei zu haben und keine Flaschen spülen und abkochen zu müssen. Motti und ich hatten zwar auch unsere Startschwierigkeiten, aber diesmal würde natürlich alles besser werden, denn ich war ja jetzt erfahren. Dachte ich mir so.

Als ich damals in der Schwangerschaft anfing, über das Down-Syndrom zu recherchieren, stieß ich unter anderem auch darauf, dass Babys mit Down-Syndrom aufgrund ihrer Muskelhypotonie (darüber habe ich hier schon mal berichtet) oft nicht die Kraft hätten, zu stillen. Manche Zungen behaupteten sogar, diese Babys könnten das nicht. Das war für mich erst mal ein Schock. Denn auf eine erneute innige Still-Beziehung, das kuschlige Gefühl und die Nähe zwischen Mama und Kind hatte ich mich doch schon so sehr gefreut. Ich belas mich ganz viel und fand dann doch einige Geschichten über Mütter, die trotz hypotonem, schläfrigem Kind irgendwann voll stillen konnten. Also nahm ich mir fest vor, es zu versuchen, geduldig zu sein und nicht zu schnell aufzugeben.
Als sich dann herausstellte, dass Miss Motti aufgrund ihrer Fehlbildung am Darm bis zur OP gar nicht selbstständig trinken und ausschneiden wird und nach der OP erst mal über eine Magensonde ernährt werden würde, sah ich unsere Felle davon schwimmen. Ganz habe ich die Hoffnung allerdings nie aufgegeben und das war auch gut so.


Miss Motti bekam etwa 5 Tage nach ihrer Operation das erste Mal ein Fläschchen angeboten. Sie machte das sehr gut und schaffte von Tag zu Tag mehr (wir reden hier von anfänglichen 5ml!). Irgendwann durfte ich sie dann auch endlich anlegen. Von dem Zeitpunkt an, habe ich sie immer zunächst an der Brust trinken lassen und anschließend mit abgepumpter Muttermilch aus der Flasche nachgefüttert. Was sie aufgrund ihrer Schläfrigkeit nicht schaffte, wurde anschließend noch sondiert.
Als Miss Motti sich ausreichend von ihrer OP erholt hatte, ging es irgendwann nur noch darum, dass sie ihre Trinkmenge schaffen musste. Allerdings schlief sie beim Saugen sehr schnell ein, sodass sie oft nur 30-40ml schaffte. Ich wollte aber unbedingt die Sonde loswerden, sodass ich versuchte, tagsüber zu jeder „Fütterungszeit“ vor Ort zu sein und die Trinkmenge mit viel Geduld zu steigern. Die Maus schlief in meinen Armen immer innerhalb weniger Minuten ein, sodass ich mir viel einfallen lassen musste, um sie zwischendurch wieder zu wecken und weiter füttern zu können. Irgendwann war es endlich so weit und sie wurde von der Intensivstation auf die Überwachsungsstation verlegt. Ich durfte dann auch die Nacht bei ihr verbringen und schlief auf einer Klappliege neben dem Wärmebettchen. Okay, von Schlafen kann nicht die Rede sein, denn wenn man die Milch zunächst abpumpen muss, anschließend ein schläfriges Kind an die Brust legt, mit der Waage immer wieder die Trinkmenge kontrollieren muss und den Rest dann per Flasche in das erschöpfte Kind „stopft“, bleibt für die Mama kaum Zeit zu schlafen. Ich sage euch, das war eine seeeeeehr anstrengende Zeit! Aber wir schafften es tatsächlich irgendwann, die nötige Tagesmenge zu erreichen und wurden nach 18 Tagen Krankenhaus endlich entlassen.


Zu Hause angekommen hatten wir dann endlich die nötige Ruhe, um die Trinkmenge an der Brust zu steigern und das Abpumpen und Nachfüttern langsam zurück zu fahren. Hierfür benötigte es noch weitere 4 Wochen Geduld. Irgendwann ließen wir die Flasche dann auf Anraten der Nachsorge-Krankenschwester einfach weg.
Miss Motti nimmt immer noch sehr langsam zu, braucht lange beim Trinken und möchte mindestens alle 2-3 Stunden an die Brust. Dafür schläft sie dann die ganze Nacht durch. 🙌
Ich genieße unsere gemütliche Stillzeit so sehr, freue mich immer wieder darüber, die Flasche losgeworden zu sein und bin stolz auf uns beide, dass wir nicht aufgegeben haben!

 
Wenn man so häufig stillen muss, ist es unerlässlich, praktische Kleidung dafür zu haben. Gerade bei dem Wetter will ich mich nicht komplett ausziehen, um an die Brust zu kommen. Der Tallinn-Sweater ermöglicht einen schnellen „Zugriff“ und ist trotzdem schön kuschlig warm. Ihr bekommt den Schnitt ab heute bei Näh-Connection für eine Woche lang 15% reduziert! Der kuschlige Bio-Doubleface-Jacquard stammt vom Stoffbüro, danke nochmal an Catrin für die liebe Beratung!

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Heute mache ich endlich mal wieder bei RUMS mit.

Kommentare:

  1. WOW, mega, dass du euch soviel Zeit und Geduld gegeben hast, um stillen zu können (ich habe Tränen in den Augen bei deinem Bericht). ich habe meine beiden Jungs auch gestillt bzw immer noch den fast 2-jährigen und es ist einfach eine so intensive Zeit, die ich nie mehr missen mag.
    Dein Cardigan sieht toll aus!

    Ganz herzliche Grüße
    Sabrina

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  2. Das habt ihr alle zusammen toll gemacht und ich wünsch dir weiterhinso gute Nächte, diese Erholungsphase brauchst du sicher zum Kraft tanken für die Tage mit den zwei Kindern und allem drum herum. Liebe Grüße Ingrid

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  3. Super! Herzlichen Glückwunsch, da hast du echt was geleistet! Ich hab auch einen schwierigen Stillstart erlebt, bin froh, nicht aufgegeben zu haben, aber die Randbedingungen waren nicht ganz so schwierig wie bei euch. Von daher weiß ich annähernd, wovon du redest. Wirklich Hut ab!

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